"Wir können verdammt gut dramatisch sein"

Ein Zimmer mit zwei hohen Fenstern, die oben einen Halbkreis beschreiben. Viel Licht kommt herein, es ist hell und freundlich, nur die Schatten der Griffe zum Öffnen zieren die weiße Wand. Ansonsten strahlt es. Ein bisschen Mobilar: ein kleiner Hocker, rund, mit vier weißen Füßen und einem dunkelrotem Überzug, ein weißer, dienlicher Stuhl, der mehr Komfort hergibt, als man ihm ansieht, und ein großes Bett, auf dem ich an die Wand gelehnt sitze und ein Buch lese, die Knie fast bis ganz an die Brust gezogen, das Buch vor meiner Nase und die Haare hängen mir im Gesicht, weil ich ’ne Frisur habe wie der Gitarrist von Bloc Party. Neben steht auf einem kleinen Nachschränkchen eine Tasse Kakao – kalt, weil wer trinkt schon warmen Kakao? Oder doch vielleicht kein Nachttischchen, das weiß ich noch nicht. Es will nicht so richtig in die Vorstellung hereinpassen. Aber ein Schreibtisch, auch, wie der kleine Hocker, weiß, mit runden Beinen. Er macht einen wackeligen Eindruck, aber er hält doch stand. In der Mitte ist mein Laptop aufgebaut, die kleinen Boxen um ihn herum und es liegt nicht so viel wirres Zeug darauf herum, wie es jetzt tut. Die Ecken der Platte haben schon kleine Benutzungsflecken, sind minimal abgebrochen, warum weiß ich nicht – vielleicht sind wir hier und da mal an einer Treppe oder Wand entlang geschrammt sind, als wir ihn in den ersten Stock getragen haben. Eine kleine Lampe neben meinem Bett, die eigentlich auf dem Schreibtisch stehen müsste. Man kann ihren Hals verbiegen und sie ist silber. In der Ecke steht eine Akkustikgitarre auf dem Gitarrenhalter, den ich jetzt schon habe. Der klobige, schwarze Verstärker steht im Proberaum. Einen Schrank und eine Kommode für meine Klamotten und den ganzen anderen Kram, den ich noch so habe. Ich weiß noch nicht, ob ich Poster aufhängen würde, aber in meiner Vorstellung sind die Wände kahl, aber ein Regal oder ein Ständer für die Cds ist in der Ecke bei der Gitarre. Im linken Fenster steht vielleicht eine Blume und wenn ich aus herausschaue, fällt mein Blick auf eine rote Backsteinwand. Es klingelt und ich werde leicht erschrocken aus meinem Buch gerisst, schüttele erst einmal den Kopf, währenddessen klingelt es ein zweites Mal, ich stehe auch in meiner Jogginghose und meinem Shirt, gehe zur Tür, mache auf und da stehst du und ich weiß, dass die Welt in Ordnung ist.

 

Stattdessen geht die Tür auf und ein billig anmutender Pvc-Boden grinst mich an, links steht sofort ein kleines Bett mit Bettwäsche, die nich zusammen passt, ungemacht, zerknäult an der Wand. Rechts erstrecken sich zwei Schränke und zwei Regale von der Tür bis zum Fenster, ein Regal voll mit Unikram in Ordnern, Büchern und ein paar Dvds, daneben das Zweite mit Hanteln, Unmengen von Cds, Hygienezeugs, eine Fusselrolle und anderer Krempel. Vor dem Fenster stehen drei Kästen und eine Palette Apfelwein, ein Kasten Wasser und noch eine Palette Key-Cola. In der Ecke drei Tomtoms von meinem Schlagzeug, auf der Wasserkiste ein Fußball. Links daneben mein Schreibtisch – unaufgeräumt und verwirrend. Hefter mit Versicherungen, Englischunterlagen und Gedichten, Deoroller, Jack Daniel’s Glas, Stabilos, Halstabletten, Zinktabletten, Paracetamol, ein Foto meiner Freunde, Karten aus meinem Portmonait, Schlüssel, Dönerflyer, fliegende Blätter, Collegeblöcke, ein Locher, Postkarten und meine Hefterablagen neben meinem Drucker. Der Chillsessel, den ich noch nie benutzt habe, wie immer mit irgendwelche Klamotten, die ich dort hingeschmissen habe, belagert und zwischen ihm und dem Bett der große, schwarze Verstärker. Dahinter eine Korkwand mit Rezepten, Stundenplan, Flyern, einem Patrick von Spongebob als Miniplüschfigur und ein kleiner Kalender. Die Gitarre steht vor dem Verstärker und es liegen auch noch Klamotten, ein Collegeblock auf dem Boden, auf der anderen Seite des Zimmers mein Rucksack und eine Stofftüte. Ich in meinem Chef-Büro-Sessel. Auf dem Verstärker auch Chaos: Plektren, eine kleine Box für den Verzerrer, mein Kulturbeutel, Kugelschreiber, unter einer Grey Goose-Verpackung „1984“ von Geogre Orwell. Sieht alles nicht so nach meiner Vorstellung aus, oder schöner ausgedrückt: Es ist wohl noch ein Stückchen hin bis zu meinem Idealzimmer. Aber das Schlimmste ist, dass du nicht klingeln wirst und zu mir kommen willst, weil das keiner so wirklich will...

 

 

 

 

 

7.10.12 18:30, kommentieren

perhaps "fuck off" might be too kind

Es wäre schön, sich richtig zu verrennen.

Klare Worte zu finden und nicht das, was man noch vor 20 Sekunden geschrieben hatte, wieder ausradieren zu müssen.

Die Albernheit und Kindlichkeit hinter sich zu lassen.

Als Vergangenheitsbewältigung.

Hauptsätze.

Simple, klare, reine, pure Hauptsätze.

Kein Sarkasmus.

Kein Gespiele.

Kein Perfekt-sein-wollen.

Gefühle zulassen.

Wahrscheinlich ist es deshalb auch so ruhig geworden.

Weil ich mich selbst jetzt zu jeder Zeile quälend überwinden muss.

Was soll ich auch schreiben?

Eine Geschichte?

Ein Lied?

Wie es gerade so ist?

Gebt mir ein verficktes Thema.

Es wird weniger, was ich von mir gebe.

Weil ich weniger zu sagen habe.

Weil ich das, was ich sage oft zu schlecht finde.

Weil ich tausende Zitate, Bilder, Gif’s, wasauchimmer sehe, aufsauge wie ein Schwamm und mich neben dieser Perfektion in Ästhetik, Weisheit und Gefühl klein und schäbig fühle.

Es ist generell immer wieder dieser Gedanke austauschbar zu sein.

Keine neuen Gedanken formen oder einfach haben zu können.

Eine Nichtigkeit, die sich nicht vertreiben lässt.

Es wäre sehr schön, einfach mal wieder Gedichte oder so etwas für jemanden zu schreiben.

Jemanden, der das erlaubt.

Und es sich zugleich selbst erlauben.

Ich möchte einmal gebraucht werden.

Jemanden, der sagt „Ohne diese Zeilen von dir, könnte ich nicht mehr“.
Oder wenigstens ein „Damit hast du mich gerade zu Lächeln gebracht“.

Wo ist der Sinn, wenn das hier eh keiner liest?

„Ich schreib das nur für mich, um meine wirren Gedanken zu ordnen.“

Ja, klar, schon mal gemerkt, dass Gedanken erst dadurch wirr werden, dass man sie nicht einzuschätzen vermag, wie man mit ihnen umgehen soll und sich doch deswegen nur Kommentare als Wegweiser oder Mutmacher wünscht? Plausibel, finde ich.

Wenn so viele Menschen an einander denken, warum, verdammt, sagen sie es dann nie?

 

Vielleicht kommt ja doch noch irgendetwas Anmutiges aus mir heraus, das doch schönn ist oder für das ein oder andere Grinsen sorgt.

 

Erst, wenn wird merken, dass wir nie Ron und Hermine sein werden, können wir uns wieder auf einander einlassen.

 

 

 

 

 

 

2 Kommentare 12.9.12 01:37, kommentieren

 

 

 

Versuchen.

 

Fallen.

 

Liegen bleiben.

 

Sterne angucken.

 

Warten bis jemand sich zu einem legt.

 

 

Topplan, find ich

 

 

 

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4 Kommentare 25.8.12 11:48, kommentieren